Facebook zensiert ein Richter-Gemälde auf der Seite des Pariser Centre Pompidou
Facebook zensiert ein Richter-Gemälde auf der Seite des Pariser Centre Pompidou
PARIS – Facebook hat Gerhard Richters Bild „Ema (Akt auf einer Treppe)“ von der Facebook-Seite des Centre Pompidou entfernt. Dort läuft vom 6. Juni bis zum 14. September die Richter-Retrospektive. Das Foto des Gemäldes bekam 1.300 „gefällt mir!“-Klicks, bis es plötzlich über Nacht von der Seite verschwand. Der französische Blog „Les Notes de Véculture“ nennt dies US-amerikanischen „institutionalisierten Puritanismus“. Nach einer Beschwerde des Centre Pompidou hat Facebook das Bild inzwischen wieder freigeschaltet. Es stellt sich damit die Frage, warum Facebook verschiedene künstlerische Medien so unterschiedlich behandelt.
Am Montag beschwerte sich Gonzague Gauthier, Manager für digitale Projekte am Centre Pompidou, per Twitter öffentlich über die Zensur. Darauf wurde er von der französischen PR-Agentur Facebooks kontaktiert und um Entschuldigung gebeten. Gauthier sagte gegenüber ARTINFO Frankreich, dass man gemäß dem Sprecher der Agentur das Richter-Gemälde für ein Foto gehalten habe, was dann gegen die allgemeinen Nutzungsbedingungen von Facebook verstoßen hätte: Nacktfotos sind verboten, nicht aber Aktgemälde oder Skulpturen.
Doch was soll man von dieser kulturellen Ausnahme auf Facebook halten, die nur für Gemälde und Skulpturen gilt? Gauthier wies gegenüber ARTINFO Frankreich darauf hin, wie wichtig die Darstellung des menschlichen Körpers in der zeitgenössischen Kunst ist und dass Fotografen doch ebenfalls Kunstwerke sind, und fragte: „Gibt es Künstler, die nicht das Recht haben, [ihre Werke] auf Facebook zu veröffentlichen? Wie können wir unsere Aufgabe der Kunstvermittlung auf einem Netzwerk wie Facebook wahrnehmen?“ Die Verwaltung des Centre Pompidou hat nun vorgeschlagen, einen runden Tisch mit Facebook abzuhalten, um solche Themen zu diskutieren. Ein Termin steht zwar noch nicht fest, aber „bislang gibt sich Facebook offen“ für diese Idee, so Gauthier.
Das ist nicht das erste Mail, dass Facebook zensiert. Zu bekannten Fällen gehört die Abschaltung der Konten von Nutzern, die Gustave Courbets bekanntes Gemälde „Origine du monde“ gepostet haben, die nervige Entfernung von Aktbildern von der Website der New York Academy of Art und kürzlich die Löschung des Titelbildes des Zeit-Magazins. Ein französischer Facebook-Nutzer geht in Frankreich gerade gerichtlich gegen Facebook vor, er klagt mit der Begründung, dass die Abschaltung seines Kontos wegen des Courbet-Gemäldes sein Recht auf freie Meinungsäußerung behindere. Gemäß den Nutzungsbedingungen von Facebook ist der Gerichtsstand jedes Prozesses gegen das Unternehmen Santa Clara in Kalifornien. Das aber, sagt der Anwalt des Klägers, sei für Facebook-Nutzer in anderen Ländern – wie etwa Frankreich – unfair.
Dieser Artikel stammt von ARTINFO Frankreich.
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