Es bewegt sich doch: Künstler und Politiker unterzeichnen Solidaritätsappelle für Shahin Najafi
Es bewegt sich doch: Künstler und Politiker unterzeichnen Solidaritätsappelle für Shahin Najafi
Bereits vor etwa fünf Wochen hatte der Journalist Günther Wallraff „die Künstler und Musiker dieses Landes“ zur Solidarität mit dem vom Tode bedrohten iranischen Musiker Shahin Najafi aufgerufen (ARTINFO Deutschland berichtete). Vier Großajatollahs bezichtigen Najafi für seinen Song „Imam Naghi“ der Blasphemie und sprachen deswegen Fatwas gegen ihn aus. Auf den Musiker ist außerdem ein Kopfgeld von 100.000 US-Dollar ausgesetzt. Mehrere Wochen lang blieb Wallraffs Appell ohne Resonanz, inzwischen ist jedoch Bewegung in die Sache gekommen.
Am 15. Juni veröffentlichte die Berliner Akademie der Künste auf ihrer Internetseite einen Aufruf, in dem Öffentlichkeit und Politiker aufgefordert werden, den in der Nähe von Köln versteckt und unter Polizeischutz lebenden Musiker zu unterstützen. In dem Aufruf heißt es: „Wir haben Respekt vor dem Mut von Shahin Najafi, sich nicht einschüchtern zu lassen und sich weiterhin künstlerisch einzumischen. Denn Kunst muss frei sein. Kunst muss sich entfalten können und provozieren dürfen. Die Freiheit der Kunst ist ein universelles Menschenrecht. Todesdrohungen gegen Künstler und Andersdenkende sind der Tod dieser Freiheit.“ Zu den 50 Erstunterzeichnern gehören unter anderen Sibylle Berg, Wolf Biermann, Volker Braun, Frank Castorf, Jan Delay, Valie Export, Harun Farocki, Elfriede Jelinek, Volker Schlöndorff, Rosemarie Trockel und Hannes Wader.
Gegenüber ARTINFO Deutschland erklärte Klaus Staeck, Präsident der Akademie, er und Günther Wallraff würden sich schon lange und gut kennen. Wallraff sei auf ihn zugekommen und er habe sich sofort mit dem Solidaritätsappell einverstanden erklärt. Es habe ein Treffen zwischen ihm, Wallraff, Najafi und seinem Management, sowie Francis Gay und Manos Tsangaris gegeben, auf das dann die Aktion folgte, so Staeck weiter.
Günther Wallraff hatte in einem Zeitungsinterview auch die Einrichtung eines Stipendiums für Najafi gefordert, da dieser durch seinen erzwungenermaßen geheimen Aufenthaltsort nicht auftreten könne. Auf die Frage von ARTINFO Deutschland, ob es seitens der Akademie Überlegungen über solch eine Unterstützung gebe, erklärte Staeck, dass der Akademie dafür schlicht die Möglichkeiten fehlten.
Auch die Bundestagsabgeordneten des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe beschlossen, ebenfalls am 15. Juni, einstimmig eine Solidaritätserklärung für Shahin Najafi. In der Erklärung heißt es: „Die Meinungsfreiheit ist der Gradmesser jeder freien, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft. Mit der Verletzung der Meinungsfreiheit gehen immer andere Menschenrechtsverletzungen einher. Als hohes Gut muss das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit daher geachtet, geschützt und gewährleistet werden.“
Unterstützung kommt außerdem aus Österreich – dort haben letzte Woche die IG Autorinnen Autoren und die Übersetzergemeinschaft einen Solidaritätsaufruf gestartet. In der wohl kämpferischsten der drei Erklärungen heißt es: „Wir fordern die politischen und diplomatischen Vertretungen dazu auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um das Recht demokratischer Länder durchzusetzen und nicht der Kopfgeldjustiz von theokratisch-diktatorisch regierten Staaten das Feld für ihre Allmachtsphantasien zu überlassen.“
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