Tops und Flops der Art Dubai 2012

Eine Szene von der Art Dubai, 21. März 2012
(Courtesy of Art Dubai)

DUBAI, Vereinigte Arabische Emirate – Die sechste Auflage der Art Dubai hat am vergangenen Wochenende mit einem neuen Besucherrekord geschlossen; die Messe mehr internationale Teilnehmer denn je verzeichnet. Obwohl die Verkäufe am Eröffnungstag stark liefen, schwächelten sie während des Messeverlaufs, einige internationale Galerien fuhren mit vollen Auftragsbüchern, aber auch mit dem gesamten Inventar zurück nach Hause.

 

Davon abgesehen waren alle internationalen Teilnehmer der Art Dubai, mit denen ARTINFO gesprochen hat, fundamental zufrieden mit ihren Messeergebnissen. Die Messe ist ein Tor zu einem neuen Markt, der sich für das, was die internationale Kunstszene zu bieten hat, grundsätzlich interessiert. Der New Yorker Galerist Alexander Gray fasste es so zusammen: Zwar sei die Messe nicht „verkaufsorientiert“, besitze aber eine Dynamik, die „inspirierend und vielversprechend“ sei. Das allgemeine Credo lautete, dass der Aufbau von Verbindungen und Geschäften in der Golfregion zeitaufwändig ist, aber der investierte Aufwand sich schlussendlich auszahle.

Einige internationale Aussteller trafen in Dubai voll ins Schwarze. Der kurze, aber heftige Umschlag an dem Stand von Pilar Corrias machte sie zum Star dieser Messe. Sie verkaufte zehn Werke der Künstlerin Tala Madani, gebürtig aus dem Iran, wohnhaft in den USA, und das zum Teil über ihr iPad – für Preise zwischen 13.000 und 55.000 USD sowie drei Werke von Shahzia Sikander, geboren in Pakistan und ebenfalls wohnhaft in den USA. Diese Verkäufe tätigten eine Reihe örtlicher Sammler, darunter einige aus regierenden Häusern und einige aus entfernteren Ländern wie Indien, Indonesien und Spanien.

Pace Gallery hatte ebenfalls allen Grund, mit ihrer Reise an den Golf zufrieden zu sein. Neben Werken von Tara Donovan und Keith Tyson verkaufte die Galerie auch ein bedeutendes Werk des chinesischen Künstlers Zhang Huan, ein „Aschebild“ mit dem Titel „Tiger“. Der Preis wurde nicht veröffentlicht, aber Zhangs Aschebilder vergleichbarer Größe gehen öfters für um die 250.000 USD.

Galerie Perrotin, die nach zweijähriger Abwesenheit wieder dabei war, mag als Beispiel dafür dienen, wie die Messe sich für die meisten internationalen Teilnehmer auszahlte. Sie machte zwei Verkäufe: ein Werk des französischen Duos Kolkuz für 28.000 EUR sowie einen Peter Zimmerman für einen unveröffentlichten Preis. Ein moderates Ergebnis, aber andere Geschäfte waren in Vorbereitung, während Perrotin einpackte, und Galeriemitarbeiter Raphaël Gatel war zufrieden: „Eine Menge Möglichkeiten werden sich aus dieser Messe ergeben“, sagte er, „sogar, wenn es ein wenig Zeit braucht, zu den Sammlern hier Beziehungen aufzubauen.“

In der Zwischenzeit profitierten viele Galerien aus dem Mittleren Osten von ihrem Heimvorteil. Athr Gallery aus Jeddah war nach der Eröffnungsnacht bereits ausverkauft – Werke von Shadia Alem, Musaed Al-Hulis, Maha Malluh und anderen brachten Preise zwischen 15.000 und 26.500 USD. Auch der Galerie The Third Line aus Dubai glückte beinahe der Ausverkauf dank großer Nachfrage nach Werken der iranischen Künstlerin Laleh Khorramian (zwischen 4.000 und 8.000 USD) sowie der im Irak geborenen Hayv Kahraman (zwischen 14.000 und 20.000 USD).

Nachdem die Galerien eingepackt und verschifft haben, offenbart ARTINFO ein subjektives „Top und Flop auf der Art Dubai“:

Top: Die in Dubai ansässigen Galerien wie Carbon 12, The Third Line und Green Art Gallery, die mit der Art Dubai zusammen gewachsen sind und herausragende Stände aufgebaut hatten, auf denen sie regionale Künstler bewarben.

Flop: Galerie Sfeir-Semler, die auf einer Messe, die ansonsten angenehm Damien Hirst-frei war, beschlossen hatte, ein Gemälde zu zeigen, auf dem eine Menschenmenge dargestellt ist, die ein Spotpainting von Hirst anguckt – zur großen Erheiterung der Messebesucher.

Top: Galerien wie Pilar Corrias aus London und New Yorks Priska C. Juschka Fine Art, die vielversprechende Künstler zeigten, die starke Verbindungen zur Region haben, und mit starken Verkäufen belohnt wurden.

Flop: Berichte darüber, dass einige Galerien, wie die örtliche Artspace, aufgefordert worden sein sollen, Werke zu entfernen, die zu offensichtlich auf den Arabischen Frühling Bezug nahmen.

Top: Internationale Galerien, die sich dazu entschieden hatten, Arbeiten aus ihrer eigenen Region herauszustellen, anstatt sich nach lokaler Anerkennung auszustrecken. In dieser Gruppe fielen besonders auf: Platform China mit ihrem bildschön gestalteten Stand mit Gemälden von Qin Qi und Aniwar; sowie Kolkatas (Kalkuttas) experimenter, die Tuschezeichnungen und Skulpturen von Adip Dutta zeigte.

Flop: Die merkwürdigen und irgendwie zu realistischen Gemälde von Pferdeköpfen, die den Eingang zur Messe verzierten.

Top: Das Sikka 2012 Festival, das in Konkurrenz zur Art Dubai lief und junge Künstler aus den Emiraten und der Region präsentierte – und Messebesuchern einen Grund lieferte, die Gegend Al Bastakiya zu besuchen, angeblich Dubais letztes Stück ursprünglicher Bebauung.

Top: Der Anspruch der Art Dubai, mehr als eine Kunstmesse zu sein. In einem Land, das noch immer nach kultureller Infrastruktur lechzt, war die Ernsthaftigkeit, mit der die Messe ein Begleitprogramm mit Gesprächsrunden, Foren und Ausstellungen betrieb, lobenswert.

Best: Der Sohn des Scheichs. Wie Rudolph Valentino bewiesen hat, gibt es nichts besseres als den Sohn eines Scheichs, um einem Zeremoniell Glamour zu geben. Der Besuch des Herrschersohnes, Scheich Hamdan bin Mohammed Al Maktoum am Eröffnungstag der Messe erhöhte den Herzschlag so manches Galeristen. Die Tatsache, dass er sich wirklich für die gezeigten Werke interessiert hat, war ein willkommenes Extra.

Bilderstrecke zur Art Dubai 2012

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