Wird Indien Weltmarktführer im Internethandel mit Kunst?

Wird Indien Weltmarktführer im Internethandel mit Kunst?

Indien ist ein Staat mit 1,2 Milliarden Einwohnern, und obwohl nur ein kleiner Prozentsatz davon zur Mittel- oder Oberklasse gerechnet werden kann, wächst dieser doch zügig. Jetzt versucht eine Gruppe von Investoren mit Affinität zur Kunst, etwas von diesem Wohlstand auf den Kunstmarkt in Indien zu locken, und zwar mittels einer internetbasierten Kunstmesse namens India Art Collective. Denn während viele der neu zu Wohlstand gekommenen Inder mit Technik vertraut sind, sind sie es vielleicht weniger mit den Gepflogenheiten der etablierten Kunstwelt, weshalb die Transparenz und relative Anonymität des Internetmodells ein attraktiver Weg sein dürfte, Indiens wachsende Sammlergemeinde zu hofieren.

 

Die neue Messe glänzt mit 41 Galerien, 200 Künstlern und über 800 Kunstwerken – darunter solche von angesehenen indischen Künstlern wie M.F. Husain und S.H. Raza, zeitgenössischen indischen Superstars wie Anish Kapoor und Anita Dube, deren Werke auf der IAC Website  http://www.indiaartcollective.com/ vom 19. bis zum 26. November 2011 zu Verkauf stehen. Während andere Internetmessen sich als nicht besonders erfolgreich herausgestellt haben, findet ARTINFO doch einige Gründe, wieso diese möglicherweise einschlagen wird.

 

VORGESCHICHTE

 

„Das ganze Modell ist durch die Einfachheit und Ubiquität des Internet in Indien begründet“, so Sapna Kar, eine Mitbegründerin und Direktorin der IAC.

 

Diese Idee, für andere Ecken der Erde vielleicht noch neu, funkioniert bereits für Saffronart, das von den Sammlern Minal und Dinesh Vazirani vor über zehn Jahren in Indien gegründet worden ist und das inzwischen zu den erfolgreichsten Online-Auktionshäusern der Welt zählt. 2010 verkaufte sich dort „Wish Dream“ von Arpita Sing für 2,2 Millionen US-Dollar. Das Geschäftsmodell von Safronart ist so erfolgreich, dass die Harvard Business School – die Alma Mater seiner Mitgründer – es jüngst für eine Fallstudie genutzt hat.

 

„Wir haben Saffronart mit der Einsicht gegründet, dass man Technik mit Kunst kombinieren und etwas Internetbasiertes gründen kann, das den Nutzern erlaubt, Anhaltspunkte zu haben, Bilder, Preise, Informationen, und das den ganzen Kaufprozess einfacher machen kann“, so Dinesh Vazirani von Saffronart in einem Interview mit ARTINFO. Das ist, Kar zufolge, was auch das IAC zu tun versucht.

 

TRANSPARENZ

 

Die Messe ist auf eine andere Art und Weise auf eine Online-Plattform eingestellt als das bei anderen Versuchen, wie beispielsweise der früher im Jahr gestarteten VIP Art Fair, der Fall war. Kar weist darauf hin, dass viele der bisherigen Versuche das persönliche Erscheinen auf Kunstmessen nicht stark genug abgewandelt hätten, um eine Internet-Plattform attraktiver als eine physische Messe zu machen. Über die VIP Fair sagte Kar im Einzelnen, „Eine weltweite Veranstaltung online zu organisieren und 138 Galerien zur Teilnahme zu bewegen ist schon ein bemerkenswerter Aufwand“ und fügt hinzu: „Ich glaube, was sie versucht haben, ist, es einer Messe mit persönlicher Teilnahme nachzuempfinden.“

 

Das IAC dagegen verfolgt einen anderen Ansatz. Transaktionen werden transparenter sein. Anstatt per Telefon mit einer Galerie in Verbindung treten zu müssen, um einen Preis herauszufinden, werden alle Preise auf der Website offengelegt sein – das ist eine große Veränderung gegenüber dem typischen Modell einer Messe, bei der Galerien üblicherweise ihre Preise nicht offen auflisten. Dies kann Käufer mit Budgetrestriktionen ermuntern. So gibt es nicht den unangenehmen Moment, an dem ein potentieller Kunde zugeben muss, sich ein Werk nicht leisten zu können, denn der Sammler muss gar nicht mehr fragen. Die Werke werden auf der Seite sogar nach drei verschiedenen Kategorien gruppiert, sortiert nach Budget.

 

„Im Kern sieht die ganze Messe aus wie drei verschiedene Ausstellungshallen. Die erste Ausstellung zeigt Werke unter 12.000 US-Dollar. Die zweite Halle zeigt Werke mit einem Preisschild zwischen 12.000 und 45.000 US-Dollar. Die dritte umfasst Werke über 45.000 US-Dollar. Das ermöglicht den Käufern eine ihrem Budget angemessene Messe zu durchstöbern“, so Kar.

 

Das Abhalten einer Online-Kunstmesse wird dem IAC erlauben, seine geografische Reichweite zu erweitern und sowohl die über das ganze Land verstreuten Sammler wie auch die indische Diaspora zu erreichen. Nur ein Bruchteil der Bevölkerung Indiens lebt in den urbanen Zentren, in denen sich der weitaus größte Teil der indischen Galerien befindet und in denen die größten Kunstmessen des Landes abgehalten werden, sprich New Delhi und Mumbai. Obwohl es noch immer sehr viel Raum für physische Messen gibt, so Kar, „glaube ich, dass dies ein ergänzendes Modell ist, das uns erlauben wird, den Markt zu erweitern. Wir müssen eine Menge neuer Sammler ermutigen – Sammler, die möglicherweise nicht in den beiden wichtigsten urbanen Zentren leben, in denen sich die meisten Galerien befinden.“

 

Außerdem gibt es eine Menge Sammler, die außerhalb der Grenzen Indiens leben. Einer der Gründe, die Kar dafür anführt, warum diese Messe online beginnt, ist der einfache Zugang für die indische Diaspora. „Eine Menge indischer Kunst wird von Leute mit indischen Wurzeln gesammelt, die nicht notwendigerweise in Indien leben – und das ist wieder ein wichtiger Punkt für diese Messe“, sagt sie. Dinesh Vazirani stimmt dieser Einschätzung zu. Während nur 60 Prozent der Käufer bei Saffronart aus Indien kommen, sind doch 85 Prozent der Kunden von Saffronart indischer Herkunft, was bedeutet, dass ungefähr 15 Prozent Inder sind, die in anderen Teilen der Welt leben, beispielsweise in London, New York, Singapur und Hongkong.

 

TECHNIK

 

Indien zeichnet sich durch einiges aus, das es zu dem perfekten Ort für eine erfolgreiche Online-Messe macht. Es gibt rapides Wachstum, und ein großer Teil der aufstrebenden Mittelklasse ist sehr beschlagen in und vertraut mit Online-Technologien. Indien hat heute bereits etwa 100 Millionen Internetnutzer, und man geht davon aus, dass diese Zahl sich bis 2015 verdreifachen dürfte, so Kar; eine Studie der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2010 über Internetnutzung in den BRICI-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China und Indonesien) geht sogar von 240 Millionen im Jahr 2015 aus. „Alle diese Leute haben gute Aufstiegschancen und sind sehr, sehr vertraut mit Technik. Sie nutzen sie für jeden Aspekt ihres Lebens“, so Kar. Warum nicht auch für das Sammeln von Kunst?

 

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